Sozialgenossenschaften
- so vielfältig wie das Leben

Sozialgenossenschaften bieten in ihrer Vielfalt Lösungsmöglichkeiten für viele Lebensbereiche und das soziale Zusammenleben. So können sie die nahräumliche Versorgung, die sozialkulturelle Einbindung, die Möglichkeiten der Teilhabe und sozialproduktiver Tätigkeit, die gute Nachbarschaft und den Verbleib in der vertrauten Wohnumgebung organisieren. Fünf sind hier besonders zu erwähnen:

Sozialgenossenschaften für Bauen/Wohnen/Stadtteilentwicklung

  • Bestimmen die soziale Stadtentwicklung entscheidend mit und können (wenn gewollt) gleichzeitig zentrale soziale Aufgaben wahrnehmen.
  • Die Ansatzpunkte sind vielzählig - von bezahlbaren Wohnungen für einkommensschwache Haushalte bis zu Stadtteilentwicklungen mit Bürger- Service-Zentren, Nachbarschaftshäusern etc.
  • Bestehende Wohnungsgenossenschaften haben zudem die Möglichkeit,
    Tochterstrukturen, auch Sozialgenossenschaften, für die Bedürfnisse ihrer
    Mitglieder zu gründen und gemeinsam mit den Mitgliedern zu betreiben.

Ein typisches Beispiel: Die Gemeinsam eG im Landkreis Regensburg

Zentrale Aufgabe der Gemeinsam eG Sozialgenossenschaft ist die Sicherung und Verbesserung der Daseinsvorsorge für ihre Mitglieder in wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Hinsicht, indem sie entsprechende Unterstützungsangebote vermittelt und organisiert. Dadurch kann die soziale Infrastruktur gerade im ländlichen Raum erhalten bleiben.

 

Sozialgenossenschaften für die alternde Gesellschaft bzw. ältere Menschen

  • Ziel: Einbindung von älteren Menschen in das gesellschaftliche Leben der Gemeinde bzw. der Region.
  • Realisiert durch Genossenschaften, die verschiedene Dienstleistungen anbieten wie Z.B. Alltagsversorgung, Pflegeangebote, kulturelle Aktivitäten.

Ein typisches Beispiel: Die WIR für UNS Wohnen im Hirtenbachtal eG

Sie bündelt in den Gemeinden Heroldsbach und Hausen private Investoren und Dienstleister für Pflege und Alltagsunterstützung rund um das Thema altersgerechtes Wohnen mit Pflegemöglichkeit.

 

Seniorengenossenschaften

  • Hier schließen sich ältere Menschen zusammen, um die Herausforderungen des demografischen Wandels aktiv mitzugestalten.
  • Die Seniorengenossenschaft lebt vom Austausch der Leistungen durch die Mitglieder
  • Ein Merkmal kann sein, dass die Leistungen mit der "Wahrung" Zeit und/oder Geld verrechnet werden. Zeit hat dabei die gleichen Funktionen wie Geld: Sie ist Tauschmedium und Recheneinheit.

Ein typisches Beispiel: Die WIR für UNS eG

Sie ist eine genossenschaftlich organisierte Seniorenhilfe für Menschen ab 60 Jahren, die aus körperlichen, geistigen oder seelischen Gründen auf Hilfe in alltäglichen Situationen angewiesen sind. Dabei können die geleisteten Tätigkeiten auch in Zeitguthaben angespart werden.

 

Sozialgenossenschaften zur Nahraumversorgung

  • Primär zum Erhalt der sozialen Infrastruktur - insbesondere in ländlichen Gebieten mit schrumpfender Bevölkerung.
  • Sie gewährleisten häufig die Versorgung älterer und nicht mobiler Personengruppen, ermöglichen eine Direktvermarktung und sind zudem Kommunikationspunkte im Ort.

Ein typisches Beispiel: Dorfläden

Genossenschaftlich organisierte Dorfläden basieren auf einer Mischung aus bezahlter und ehrenamtlicher Arbeit. Das Angebot der Dorfläden steht unter dem Motto "Alles unter einem Dach" und umfasst Informationsstelle, Post, Sparverein, Cafe, Mütter- und Altentreff etc. Dadurch dient der Dorfladen nicht nur der Lebensmittelversorgung, sondern auch dem Gemeinwohl.

Sozialgenossenschaften zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

  • Wesentliche Aufgabe der Familiengenossenschaft ist die Vermittlung einer geeigneten Betreuungsmöglichkeit für Kinder und Familien.
  • Gründer/Mitglieder können die Betroffenen selbst (Familien/Mütter) sein, aber auch Unternehmen, die Ihren Mitarbeiterfamilien qualifizierte Betreuungskräfte zur Verfügung stellen wollen.

Ein typisches Beispiel: Familiengenossenschaft in Mannheim

Sie wurde von 13 qualifizierten Tagesmüttern und 5 Unternehmen gegründet, um eine Betreuungsmöglichkeit für Kinder der Mitarbeiterfamilien zu schaffen. So werden die Kinder, wenn nötig, auch früh morgens oder spät abends noch betreut. Mittlerweile wird auch Hilfe für die Pflege von Angehörigen angeboten.

 

Zukunftsinitiative Sozialgenossenschaften
Joachim Unterländer

Portrait Joachim Unterländer„Sozialgenossen­schaften sind ein Zukunftsmodell, das Bürgerbeteiligung und soziales Engagement in idealer Weise mit eigenem Nutzen verbinden kann.
Es ist alles zu tun, damit Sozialgenossenschaften in einem sozialen Bayern noch mehr Platz in den verschiedensten Lebensbereichen erobern. Dieser Prozess wird durch den Expertenrat begleitet.”


Joachim Unterländer

Vorsitzender des Sozialausschusses des Bayerischen Landtags
Mitglied des Expertenrates "Sozialgenossenschaften - selbst organisierte Solidarität"