Welche Arten und Typen gibt es?

Sozialgenossenschaften bieten auf unterschiedliche Art und Weise die Möglichkeit, sich auf einer solidarischen Basis gegenseitig zu unterstützen. Diese kann man grundsätzlich in drei Typen aufteilen:

TYP 1: Die Sozialgenossenschaft Betroffener

  • Ein Zusammenschluss von Menschen zur Selbsthilfe und Selbstorganisation.
  • Bewältigen gemeinsam ein soziales Problem (z.B. mangelnde Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt).
  • Idealerweise schließen sich dabei Personen (Betroffene) mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten zusammen, um die sozialen Bedürfnisse zu lösen.
  • Ziel ist, neben dem wirtschaftlichen Erfolg, die soziale Integration der Mitglieder.

Ein typisches Beispiel: Trierer Wohnungsgenossenschaft

In ihrer Gründungsphase basierte diese Wohnungsgenossenschaft auf dem bürgerschaftlichen Engagement zahlreicher solidarischer Bürgerinnen und Bürger. Sie schafft und erhält bezahlbaren Wohnraum - gerade für Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt aus ökonomischen und sozialen Gründen geringe Chancen haben.

TYP 2: Die solidarische Sozialgenossenschaft (auch Fördergenossenschaft genannt)

Basiert auf den Strukturen von Bürgerschaftlichem Engagement.

  • Nicht unmittelbar Betroffene erbringen Leistungen zugunsten sozial benachteiligter Personen.
  • Sowohl Mitglieder als auch Nicht-Mitglieder profitieren von dieser
    "Solidargemeinschaft".

Ein typisches Beispiel: Trierer Wohnungsgenossenschaft

In ihrer Gründungsphase basierte diese Wohnungsgenossenschaft auf dem bürgerschaftlichen
Engagement zahlreicher solidarischer Bürgerinnen und Bürger. Sie schafft und erhält bezahlbaren Wohnraum - gerade für Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt aus ökonomischen und sozialen Gründen geringe Chancen haben.

TYP 3: Die professionelle Sozialgenossenschaft (auch Professionsgenossenschaft bzw. Produktivgenossenschaft genannt)

  • Hauptsächlich im Bereich sozialer und gesundheitlicher Dienstleistungen zu finden.
  • Qualifizierte Berufsgruppen des Sozial- und Gesundheitswesens schließen sich hier zusammen (z.B. im Bereich der Pflegedienstleistung).
  • Die Mitarbeitenden genießen auf der Basis des Demokratieprinzips gleiche Rechte, können sich besser mit dem Unternehmen identifizieren und dieses entsprechend mitgestalten.
  • Die professionsethische Haltung wirkt somit noch authentischer - vor allem auch den Auftraggeberinnen und -gebern gegenüber.

Ein typisches Beispiel: SAPV Dachau eG ("spezialisierte ambulante Palliativversorgung")

Mitglieder sind hier vor allem Arzte, Apotheker, das örtliche Krankenhaus, Pflege-und Hospizdienste sowie die Wohlfahrtsverbände und ihre Einrichtungen. Sie ermöglichen durch eine umfassende Betreuung und Versorgung kranken Menschen mit begrenzter Lebenserwartung ein menschenwürdiges Leben im häuslichen Umfeld bis zum Tod.

Zukunftsinitiative Sozialgenossenschaften
Prof. Dr. Susanne Elsen

Portrait Dr. Susanne Elsen„Die Genossenschaft bietet mit ihren Strukturprinzipien der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung eine ideale Organisationsform für den sozialen Bereich. Sie ist ein Modell der modernen Bürgergesellschaft wenn diese Prinzipien wirklich gelebt werden.”


Prof. Dr. Susanne Elsen
Faculty of Education, Vicedean Research and Coordination PhD, Free University of Bolzano
Mitglied des Expertenrates "Sozialgenossenschaften - selbst organisierte Solidarität"