Tipps und Erfahrungsberichte

Beispiele aus der Praxis
 

Beispiel 1: Die SAPV Dachau eG

DIE IDEE:

Ein Netzwerk zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Kranken Menschen mit begrenzter Lebenserwartung wird so ein menschenwürdiges Leben im häuslichen Umfeld bis zum Tod ermöglicht.

MITGLIEDER:

Zu den Mitgliedern der SAPV zählen die Wohlfahrtsverbände und ihre Einrichtungen, Hospizdienste, Apotheker, das örtliche Krankenhaus, Pflegedienste sowie Arzte aller Fachrichtungen.

DIE VORTEILE DARAUS:

  • Haftungsbegrenzung durch sozialgenossenschaftliche Rechtsform
  • Hohe Identifikation der Mitglieder
  • Möglichkeit, Vertreter aller Bereiche aufzunehmen und einzubinden
  • Hohe Akzeptanz von bereits bestehenden Verbands- und Organisationsstrukturen
  • Schnelle Zusammenstellung eines qualifizierten Palliativteams
  • Erlangung eines Versorgungsvertrages mit den gesetzlichen Krankenkassen
  • Schaffung einer soliden finanziellen Grundlage - u.a. auch durch Spenden
    Ausführliche Informationen über das Projekt unter www.palliativteam-dachau.de

Beispiel 2: made in hasenbergl eG

DIE IDEE:

Die Genossenschaft geht auf ein Projekt im Rahmen der Stadterneuerung des Stadtteils Hasenbergl der Stadt München zurück. Dabei sollte eine Reihe von Bauprojekten in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Jugendlichen entstehen. Ziel ist die Neugestaltung von Fassaden, Plätzen und Innenräumen - und die nachhaltige Integration der Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt.

MITGLIEDER:

Die Form der Genossenschaft wurde vor allem deswegen gewählt, um eine Partizipationsmöglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen. Zudem sollte allen Mitgliedern ein größtmögliches Mitbestimmungsrecht eingeräumt werden.

DIE VORTEILE DARAUS:

  • Größtmögliches Mitbestimmungsrecht der Mitglieder (auch der Jugendlichen)
  • Mobilisierung von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Präsenz in der Öffentlichkeit und Presse
  • Tatkräftige Realisierung von zahlreichen unterschiedlichen Projekten
  • Qualifizierung von Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt Ausführliche Informationen über das Projekt unter www.made-in-hasenbergl.de

Beispiel 3: HausGemacht eG

Die IDEE:

Unter dem Motto "Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren" soll die Genossenschaft einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Schaffung von Arbeitsplätzen für Frauen leisten, die sonst wenig Chancen am Arbeitsmarkt hätten. Sie werden auf dem Gebiet der hauswirtschaftlichen Dienstleistungen qualifiziert und dann vorwiegend in den Privathaushalten der ca. 180 Kunden stundenweise eingesetzt.

MITGLIEDER:

Frauen, die größtenteils früher noch von Sozialleistungen abhängig waren, sind nun mit einem Geschäftsguthaben von 50 Euro Miteigentümerinnen an ihrer Genossenschaft und erwirtschaften ihre Löhne selbst.

DIE VORTEILE DARAUS:

  • Die Einnahmen aus den Tätigkeiten fließen wieder zum größten Teil in die Löhne der Mitarbeiterinnen
  • Hohes Mitbestimmungsrecht der Frauen - und somit auch Identifikation (= ein Teil des
    Unternehmens)
  • Sanfte Heranführung an den Arbeitsmarkt oder Sprungbrett in eine neue Tätigkeit
    Ausführliche Informationen über das Projekt unter www.hausgemacht-muenchen.de

Beispiel 4: Dorfladen Lauterbach eG

DIE IDEE:

Durch einen Dorfladen sollte - nach Schließung des letzten Ladens - der Ortskern wiederbelebt und derWegfall von örtlichen Einkaufsmöglichkeiten ausgeglichen werden. Auch als sozialer Treffpunkt soll der Dorfladen dienen. Dieser wurde in einem ehemaligen alten Lagerhaus mit 300 qm Fläche errichtet.

MITGLIEDER:

Mitglieder sind vor allem die Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils Lauterbach (ca. 170 Personen). Diese halfen teilweise auch beim Aufbau bzw. Ausbau des Lagerhauses.

DIE VORTEILE DARAUS:

  • Hohe Bindung der Kundinnen und Kunden an den Laden (Mitglieder kaufen ein)
  • Richtet sich nach den Bedürfnisse der Mitglieder (z.B. Behindertengerecht)
  • Besondere soziale Nähe und somit Zusammenwachsen der Gemeinde
  • Sinnvolle regionale Vermarktung von Produkten
  • In der Gemeinschaft etwas Neues aufbauen und erschaffen
Zukunftsinitiative Sozialgenossenschaften
Ralf Haupt

Portrait Ralf Haupt„Bereits die bayerischen Verfassungsväter wussten, dass Genossenschaften bei der Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Sie haben den Auftrag festgeschrieben, den genossenschaftlichen Gedanken zu fördern. Gerade angesichts neuer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderung erlebt die Genossenschaftsform derzeit zu Recht eine Renaissance.”


Ralf Haupt
Sozial-, Ordnungs- und Umweltreferent Stadt Bamberg
Mitglied des Expertenrates "Sozialgenossenschaften - selbst organisierte Solidarität"